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Wiedererzählte Figuren

Prof. Dr. Christian Schneider (JGU Mainz)

 
Gastvortrag anlässlich der
Osnabrücker Gastdozentur zu Literatur und Medienkultur
im Wintersemester 2026/2027
am Mittwoch, den 4. November 2026 um 17:00 Uhr (s.t.)
im Zimeliensaal der Universitätsbibliothek
(Alte Münze 16/Kamp, 49074 Osnabrück)

 

 

 

Kaum eine Figur, von der im Mittelalter erzählt wird, kommt in nur einem Text vor. Ob König Artus oder andere bekannte Namen des arturischen Erzählkosmos – Ginover, Gawein, Keie und viele weitere –, Tristan, Dietrich von Bern: Sie alle sind nicht nur transtextuelle, sondern zugleich auch transmediale, transkulturelle und transhistorische Figuren. Sie bevölkern Text- ebenso wie Bildartefakte aus dem Mittelalter (Archivolten, Mosaiken, Fresken, Teppiche, Schmuckkästchen und viele andere Objekte der sog. decorative arts) und sind in unterschiedlichen medialen Formaten (Büchern, Filmen, Videospielen) bis in die Gegenwart präsent. Doch werden sie, selbst bei gleichlautendem Namen, tatsächlich immer als dieselben identifiziert? Wenn ja, was verbürgt die ‚Identität‘ – und damit die Wiedererkennbarkeit – solcher wiedererzählter Figuren? Welche Vorstellungen von Identität gehen damit einher? Solche Fragen stellen sich nicht nur für die Zeit des Mittelalters, sondern auch für die ‚modernen‘ Fortschreibungen erzählter Figuren aus dem Mittelalter in unterschiedlichen kulturellen Kontexten. Der Gastvortrag entwickelt ein transhistorisch, transkulturell und transmedial anwendbares Konzept wiedererzählter Figuren, das diese Fragen zu beantworten erlaubt.

Prof. Dr. Christian Schneider ist seit 2025 Professor für Deutsche Literaturgeschichte älterer Epochen an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Studiert hat er Germanistik und Mittlere und Neuere Geschichte an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg, wo er 2007 promoviert wurde und sich 2018 habilitierte. Von 2014 bis 2020 war er an der Washington University in St. Louis als Associate Professor der Germanistik und Vergleichenden Literaturwissenschaft, von 2021 bis 2025 als Professor für Kulturwissenschaftliche Mediävistik an der Universität Osnabrück tätig. Seine Interessen in der Forschung liegen vor allem in der historischen Erzählforschung, Poetik und Fiktionstheorie, literarischen Anthropologie sowie Rezeptions- und Mediengeschichte.